Vermisster Nick Stolz: Nach bisheriger Informationslage unwahrscheinlich, aber was, wenn er doch geflogen wäre?

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Voerde
Meine Bilanz nach über 10 Jahren Hobby-Ermittlungen ist bisher, dass ich nach bestem Wissen sagen kann, nicht einen einzigen Logik- und Denkfehler gemacht zu haben. Es ist mir bisher so weit ich denken kann immer gelungen, in jedem Stadium eines Falles die vorliegenden Informationen bestmöglich in einem plausibelsten Gesamszenario zu erklären.
Das heißt aber nicht, dass ich dann unter dem Strich in jedem einzelnen Fall erfolgreich war.

Wie eine Pleite durch falsche Informationen entstehen kann

Ein gutes Beispiel einer totalen Pleite und wie sie zustande kam, war der Stuttgarter Koffermord.
Die ersten Informationen waren:
  • Im Park wurden hinter einer Betonwand Koffer mit verwesenden Leichen abgestellt,
  • aus den Koffern war Flüssigkeit getrieft.
  • Dazu gab es Fotos eines Lochs

Und es gab Fotos von grabenden Polizeibeamten

Hier ist es ja nun wirklich naheliegend und vernünftig zu denken: Da aus den Koffern “Leichenflüssgkeit” ausgelaufen war, prüft jetzt die Spurensicherung zum Beispiel wieviel Flüssigkeit das war, wie tief das also schon das Erdreich durchnässt hat.
Das ist doch wirklich naheliegend. Man sieht die Polizei ein Loch graben und denkt dann: Das Loch wurde von der Polizei gegraben.
Aber, was kam 8 Monate später im Prozess raus?
Schaut Euch dieses Foto und den Text an:
Das war ein Originalbild vom Leichenfund, bevor die Spurensicherung da war.
Damit und dem Text wissen wir: Zuerst hat der TÄTER  das Loch gegraben, um die Koffer verschwinden zu lassen. Wegen zu vielen Wurzeln gab er aber auf.
Später hat also die Polizei nur das Loch das der Täter wieder zugeschüttet hatte nochmal aufgegraben  um nachzusehen. Die Polizei wusste das also von Anfang an, nur aus den veröffentlichten Bildern konnte man das eben nicht richtig sondern nur falsch erkennen bzw. schlussfolgern.
Die entscheidende Info war jedoch: Der Täter kam mit einem Grabwerkzeug zu diesem Ort zur Leichenablage.
Diese Information war es, die mir gefehlt hat. Denn damit war mein gesamtes Gedankengebäude welches ich in dem Fall über Monate verfolgt hatte, hinfällig.
Denn direkt bei den Koffern, endete wie ich aufwändig recherchiert hatte ein tatsächlich mehrfach von Leuten aus dem Milieu benutzter Schleichweg über die Gleise. Somit hätte der Park für einen Täter jenseits der Gleise eine ideale Möglichkeit zur Leichenentsorgung ohne PKW darstellen können, verbunden mit einem perfekten Ablenkungsmanöver. Und auch dort drüben hätte es gepasst zu vielem was ich dort recherchiert hatte. Eine Baustelle mit Wohncontainern für Fremdarbeiter, Trinkgelage am Rand des Milieus, etc.  Nur wäre es dann ja gerade nicht im Interesse des Täters gewesen, die Koffer zu vergraben, weil es ja um ein Ablenkungsmanöver gegangen wäre. Eine grabender Täter? Nein, damit war mein Szenario hinfällig.

Ich hatte auf der Basis meiner Ausgangsinfos zu 100 % richtig geschlussfolgert und ein hervorragend schlüssiges Szenario gefunden. Das jedoch war trotzdem Mist wegen diesem einen Missverständnis.  Du siehst später am Tatort ein Loch, du siehst auf dem Foto der Spurensicherung die Polizei dieses Loch graben. In Wahrheit jedoch, hat genau dieses Loch vorher bereits der Täter gegraben gehabt.
Sorry, aber da kann auch ein Genie in diesem Fall nicht draufkommen, ein Wahrsager vielleicht, aber nicht ein Analytiker, wie ich es bin.
Dieser Irrtum, der aber kein wirklicher Denkfehler im Sinne eines Logikfehlers war, hat mich 6 Monate Mühen gekostet, die umsonst waren. Dadurch dass da zuerst der Täter gegraben hatte, war es ein komplett anderer Fall, ein Täter mit Grabwerkzeug, war ein völlig anderer Fall, ergab ein völlig anderes Szenario und genau das war der Grund meiner Pleite in dem Fall. Das war jedoch kein Versagen, kein Denkfehler den man mit mehr Scharfsinn und Intelligenz hätte besser machen können, sondern das war ein Scheiss-Pech, das konnte kein Mensch besser erahnen oder besser machen, das war einfach Pech. Du siehst die Polizei das Loch graben, sollst aber nicht denken, dass die Polizei das Loch gegraben hat? Sorry, natürlich denkt man, dass die Polizei das Loch gegraben hat, wenn man sieht, wie die Polizei das Loch gegraben hat !!!
Das war einfach ein Scheiss-Pech an Missverständnis, aber auch mit noch so viel Intelligenz nicht vermeidbar, nur durch Erfahrung wie mittlerweile heute, aber wer schon erlebt so eine Situation zweimal im Leben.
Trotzdem, auch sowas Ähnliches, will man so selten wie möglich erleben. Die Frage jedoch ist heute: Auch wenn ich im Fall Nick all jene Informationen, die mir vorlagen, wirklich perfekt wie es einem Genie menschenmöglich ist, in einem perfekt schlüssigen Szenario verarbeitet habe, was wäre, wenn es an einer bestimmten Stelle doch noch etwas gäbe, was mir an entscheidender Information gefehlt hat?
Nicht vergessen den Fall Michelle von der Startseite: Da lagen alle Infos zur Lösung des Falles über Monate der gesamten Nation vor, aber aus einem 80 Mio Volk inkl. 180-köpfiger Soko und 7 Profilern und allen Medien etc. war ich der einzige Mensch der den Fall kriminalistisch verstanden hat und lösen konnte.
Man kann also nicht pauschal sagen, “Immer der Polizei vertrauen, die haben mehr Infos”, nein, im Fall Michelle waren alle entscheidenden Infos öffentlich nur die Polizei hat im Gegensatz zu mir ihre eigenen Infos nicht verstanden. Deshalb erst wurde ich Hobby-Fallanalytiker und es war gut und richtig so.
Trotzdem gibt es dann auch Fälle wie den Koffermord, wo auf der Basis einer überaus problematischen Informationslage ich einfach ein Scheiss-Pech hatte, das kann passieren.
Daher muss ich immer bedenken: Kann mir das auch diesmal passieren? Obwohl ich seit dem Fall Michelle mehrere weitere Erfolge hatte und es gut und sinnvoll ist was ich betreibe, aber wie ist es diesbezüglich heute im Fall Nick?

Was ist, wenn Nick doch im Flugzeug war?

Wir kennen heute folgenden Aussagen der Polizei:
https://www.derwesten.de/region/nrw-vermisster-nick-22-aachen-voerde-detail-macht-stutzig-polizei-auto-id227953821.html

„Wir haben gesicherte Erkenntnisse, dass Nick Stolz Deutschland per Flugzeug verlassen hat. Er ist ein erwachsener Mann mit freiem Willen und hat offenbar entschieden, dass er in seinem Umfeld nicht mehr leben möchte“, so eine Sprecherin der Polizei Wesel. „Damit sind unsere polizeilichen Maßnahmen ausgeschöpft.“

Sie könne verstehen, dass die Situation für die Familie unbefriedigend sei und man alle Hebel in Bewegung setze, aber Hinweise auf ein Verbrechen lägen nicht vor.

 
Erst hieß es aber noch nur  “keine Hinweise auf ein Verbrechen”, heute heißt es “gesicherte Informationen vom Flughafen”, also offenbar ein Video, denn laut Jessica Stolz sagte ihr die Polizei, dass es keine Passkontrolle gab.
Und wir erinnern uns: Die Mutter des Mädchens sagte über die Paketabgabe an der Haustüre, dass sie die Person nur aus 30 m von hinten sah. Und weiter sagte die Mutter während der Hundesuche vor 4 Zeugen inkl. Jessica Stolz, dass sie nicht sicher sei, ob das Nick gewesen war und das hätte sie auch der Polizei gesagt.
Also war der bisherige Stand: Die Polizei hatte und wusste eigentlich GAR NICHTS und auf dieser Basis dann eben auch “keine Hinweise auf ein Verbrechen”.
Dann jedoch, kannst Du die Meinung der Polizei auch das Klo runterspülen, wenn sie auf so einer Informationsgrundlage daherkommt.
Plötzlich jedoch redet die Polizei von “gesicherten Erkenntnissen vom Flughafen”.
Hoppala !!!
So überzeugt ich von meinem Szenario auf der Basis der bisherigen Informationslage war und bis jetzt immer noch bin, ab dem Zeitpunkt dieser Polizeimeldung muss man zweigleisig denken: Was wenn die Polizei mittlerweile tatsächlich Beweise hat, dass Nick geflogen ist, und nicht nur wie bei der Paketabgabe, jemand in seiner Jacke gesehen wurde?

Zwingend nötig: Identifizierung durch die Familie

Vom Vermisstenfall Lars Mittank kennen wir folgende Flughafenaufnahmen, die im Beisein der Polizei selbst bei Aktenzeichen XY veröffentlicht wurden

Deshalb ist es undenkbar der Familie Stolz den Wunsch zu verwehren, die Aufnahmen vom Flughafen, von denen sie erst jetzt am Wochenende erfahren haben, selbst einsehen und ihren Sohn Nick selbst identifizieren zu dürfen.
Wenn im einen Vermissten-Fall die ganze Welt Aufnahmen vom Flughafen sehen darf, kann kein Beamter im Ernst daran denken, Familie Stolz nicht mal hinter verschlossenen Türen Einblick in diese Aufnahmen zu geben. NATÜRLICH muss das erfolgen jetzt.
Warum läßt man Tote durch Angehörige identifizieren? Weil Angehörige diese Menschen eben am Besten kennen.
Und wenn dann bei dieser erstmals öffentlich von mir geforderten Identifizierung durch die Angehörigen herauskommt dass Nick geflogen ist, dann mag es bei der Paketübergabe gewesen sein wer will, aber dann konzentriert sich der Fall eben auf einen Nick in “Südeuropa” und nicht mehr hauptsächlich auf ein Verbrechen in Aachen.
Die ganzen Widersprüche in Aachen herauszuarbeiten war dennoch wichtig und richtig und trägt jetzt auch dazu bei, dass es noch mehr Gründe gibt warum die Familie und die Öffentlichkeit jetzt Klarheit brauchen. Aber wenn klar wäre, dass Nick geflogen ist, dann wäre es eine neue Ausgangslage.
Und dann wäre ich froh, dass es zumindest ich als Erster war, der selbst diese Überlegungen jetzt ins Spiel gebracht hat.
Aber nochmal ganz klar: Anlass für meinen Artikel hier ist eine neue Informationslage die der Artikel mit den neuen Aussagen der Polizei ans Licht gebracht hat. Zum frühestmöglichen Zeitpunkt reagiere ich also auf diese neue Informationslage.

Aber ganz klar:

Die Vorwürfe gegen die Polizeiarbeit bestehen im Moment weiter. Bis heute muss weiter von der Notwendigkeit von Mordermittlungen in Aachen ausgegangen werden

Erst wenn Familie Stolz ihren Nick auf den bisher vorenthaltenen Aufnahmen selbst identifiziert hat, kann man parallel dazu auch in eine neue Richtung denken.

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